„Ich habe mir einen Chip unter die Haut setzen lassen.“
Ein Satz, der vor wenigen Jahren noch wie Science-Fiction klang – heute ist er Realität. Immer mehr Menschen lassen sich kleine RFID-Chips implantieren, mit denen sie Türen öffnen, ihre Visitenkarte teilen oder sogar bezahlen können.
Und ich? Ich finde das faszinierend. Beängstigend. Aber vor allem: unglaublich spannend.

Was heute schon unter der Haut passiert
Ein Reiskorn-großer Chip, direkt unter der Haut zwischen Daumen und Zeigefinger. Kein futuristisches Implantat aus Cyberpunk 2077, sondern längst gelebte Praxis. Biohacker wie Amal Graafstra haben es vorgemacht – und viele andere folgen. Es geht um Komfort, Kontrolle, Effizienz. Der eigene Körper als Schnittstelle zur digitalen Welt.
Aber es geht längst nicht nur um Bequemlichkeit. Menschen mit bionischen Armen können dank neuronaler Schnittstellen wieder greifen. Cochlea-Implantate bringen Gehör zurück. Herzschrittmacher retten Leben. Der Übergang zwischen medizinischer Hilfe und technischer Erweiterung wird fließend. Was früher nur Ersatz war, wird heute zur Verbesserung.

Transhumanismus – Fortschritt oder Gefahr?
Im Kern geht es beim Transhumanismus um eine gewaltige Vision: die Grenzen des Menschlichen zu überwinden. Krankheit, Altern, sogar der Tod sollen eines Tages nicht mehr das letzte Wort haben. Es ist eine Philosophie, die von Hoffnung getragen wird – aber auch von vielen Fragen.
Ich merke selbst, wie zwiegespalten ich bin. Auf der einen Seite bin ich fasziniert von der Idee, technische Verbesserungen direkt mit unserem Körper zu verbinden. Auf der anderen Seite frage ich mich: Wo hört der Mensch auf, wo fängt die Maschine an? Werden nur Reiche sich aufrüsten können? Was passiert mit jenen, die sich dem verweigern?

Die Spielwelten haben es längst vorgemacht
Spiele wie Deus Ex oder Cyberpunk 2077 sind voller kybernetischer Erweiterungen – dort nennt man sie „Augmentierungen“ oder „Cyberware“. In diesen Welten tauschen Charaktere Körperteile gegen leistungsstärkere Implantate aus: bessere Augen mit Zoomfunktion, Arme mit Superkraft, Haut, die Schocks absorbieren kann, oder neuronale Chips, die Reflexe verbessern.
In Deus Ex: Human Revolution kann Protagonist Adam Jensen Feinde durch Wände sehen, durch Zeitlupe reagieren und lautlos aus großer Höhe landen – alles dank Implantaten. Cyberpunk 2077 treibt es noch weiter: dort kannst du dein gesamtes Gehirn aufrüsten, dein Bewusstsein in Chips übertragen, oder dich mit dem sogenannten „Braindance“ in die Erlebnisse anderer Menschen einklinken.
Auch Shadowrun, eine Mischung aus Fantasy und Cyberpunk, geht tief in die Frage: Wie viel Technik verträgt ein Mensch, bevor er seine Menschlichkeit verliert?
Diese Spiele faszinieren nicht nur, weil sie coole Gadgets zeigen – sie stellen uns tiefgreifende Fragen: Was passiert, wenn das Gehirn gehackt werden kann? Wenn Identität digital wird?

Realität: Gar nicht so weit entfernt
💡 Neuralink – Elon Musks Unternehmen entwickelt Implantate, die unser Gehirn direkt mit Computern verbinden sollen. Erste Tests an Menschen laufen bereits. Ziel: Steuerung von Geräten allein mit Gedanken. Das erinnert verdammt an Spiele wie Watch Dogs: Legion, in denen man Kameras oder Drohnen mit bloßem Blick hackt.
💡 Prothesen mit Gedankensteuerung – Forscher haben es geschafft, bionische Gliedmaßen so präzise mit dem Gehirn zu verbinden, dass Nutzer einzelne Finger mit Gedankenkraft bewegen können. Fast wie die mechanischen Arme in Cyberpunk 2077.
💡 Augmented Reality (AR) & Gehirn-Interfaces – In Spielen wie Assassin’s Creed sehen wir Erinnerungen durch technische Geräte (Animus). Real existierende Firmen arbeiten an „Memory Prosthetics“, also digitalen Hilfen fürs Gedächtnis. Und mit AR-Brillen wie der HoloLens vermischen sich Realität und digitale Inhalte immer mehr.
💡 Digitale Identität – In Cyberpunk 2077 kann man Bewusstseine aufzeichnen und übertragen. Zwar ist das noch Science-Fiction, aber KI-Modelle, die unsere Stimmen und Persönlichkeiten nachahmen, sind heute bereits real – genau wie Deepfakes oder Chatbots, die verstorbene Personen „nachspielen“.

Vision oder Warnung?
Die Linien zwischen Spiel und Realität verschwimmen. Vieles, was wir früher nur in Rollenspielen oder dystopischen Settings erlebt haben, findet langsam seinen Weg in unseren Alltag. Und das macht etwas mit mir.
Ich sehe die Chancen: Behinderungen könnten verschwinden. Menschen könnten neue Sinne erleben, wie Infrarot-Sicht oder magnetische Wahrnehmung. Vielleicht wird der Mensch in hundert Jahren nicht mehr dieselbe biologische Spezies sein wie heute.
Aber ich sehe auch die Risiken: Kontrollverlust. Eingriffe ins Bewusstsein. Neue Klassenunterschiede zwischen "Augmentierten" und "Unveränderten". Was passiert mit der Menschlichkeit, wenn Optimierung wichtiger wird als Individualität?

Mein Fazit – neugierig, aber wachsam
Ich liebe Technologie. Ich liebe Spiele. Und ich liebe den Gedanken, dass wir an der Schwelle zu etwas Großem stehen. Vielleicht sogar an einer neuen Evolutionsstufe. Aber ich will nicht blind in diese Zukunft rennen.
Die Fragen, die Spiele wie Deus Ex oder Cyberpunk stellen, sind nicht mehr nur Fiktion – sie sind Gegenwart. Und vielleicht sind sie wichtiger denn je. Denn wenn wir irgendwann die Wahl haben, uns zu verbessern: Wissen wir dann noch, was wir verlieren könnten?

Matt McKenzie
Sternenwanderer, Wortschmied – Matt McKenzie erkundet die Grenzen des Vorstellbaren und schreibt darüber, als wäre er mittendrin. Fantasie trifft Technik in der Sternen Schmiede.
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