Viele von uns lieben es, Musik zu hören. Im Laufe unseres Lebens entwickeln wir individuelle Vorlieben für bestimmte Genres, die oft von unserer aktuellen Gefühlslage abhängen. Doch warum ist das so? Diese Frage stellte sich die Streaming-Plattform Deezer und beauftragte die British Academy of Sound Therapy mit einer Studie.
Laut der Studie "Using Music as Medicine – Finding the Optimum Music Listening Dosage" nutzen Menschen seit Zehntausenden von Jahren Musik, um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu verbessern. Forscher fanden Spuren in Höhlen aus der Altsteinzeit (Paläolithikum), die zeigen, dass Menschen bereits vor 40.000 Jahren Musik machten. Diese lange Entwicklungsgeschichte führte dazu, dass unser Körper und Geist sich an Musik angepasst haben und sie aktiv zur Selbstregulation nutzen. Dank moderner Technologien können wir heute die positiven Effekte von Musik auf unser Gehirn und unseren Körper besser verstehen.
Untersuchungen zeigen, dass Musik neurochemische Prozesse in Gehirnregionen beeinflusst, die für Belohnung, Vergnügen, Stressabbau, das Immunsystem und soziale Interaktionen zuständig sind. Das bedeutet, dass Musik eine natürliche Möglichkeit darstellt, unsere Gefühle zu verarbeiten und unser psychisches Wohlbefinden zu stärken.
Die optimale Musikhör-Dosis
Die British Academy of Sound Therapy wollte herausfinden, welche Musik besonders effektiv bestimmte Gefühle beeinflusst und wie lange man Musik hören sollte, um gesundheitliche Vorteile zu erzielen. Dazu wurde eine weltweite Umfrage mit über 7.500 Teilnehmern durchgeführt. Die Befragten gaben an, wie lange es dauert, bis sie eine Wirkung spüren, und welche Veränderungen sie wahrnehmen.
Die Ergebnisse zeigen, dass man etwa 15 Minuten gezielt ausgewählte Musik hören sollte, um eine positive Wirkung zu spüren. Insgesamt wird empfohlen, täglich mindestens 78 Minuten Musik zu hören. Die empfohlene Tagesdosis (ETD) setzt sich wie folgt zusammen:
- 14 Minuten aufbauende Musik, um sich glücklich zu fühlen (18% ETD)
- 15 Minuten motivierende Musik zur Förderung der Konzentration (19% ETD)
- 16 Minuten tiefsinnige Musik gegen Traurigkeit (20,5% ETD)
- 16 Minuten entspannende Musik (20,5% ETD)
- 17 Minuten Musik zur Wutbewältigung (22% ETD)
Das Musikgenre ist dabei individuell wählbar, da der Effekt nicht von der Stilrichtung abhängt. Die Werte basieren auf Durchschnittswerten, sodass je nach Person Abweichungen möglich sind. Insbesondere Glücksgefühle können bereits nach wenigen Minuten auftreten.
Die therapeutische Wirkung von Musik
Die Studie unterteilte die positiven Auswirkungen von Musik in fünf Hauptbereiche: Fröhlichkeit, Entspannung, Traurigkeit, Konzentration und Wutbewältigung.
Fröhlichkeit
Musik kann die Stimmung erheblich verbessern. 81,8% der Teilnehmer gaben an, dass sie sich durch Musik glücklicher fühlen. Die British Academy of Sound Therapy fand heraus, dass Musik eine effektive Alternative zu herkömmlichen Behandlungen gegen Depressionen sein könnte. Nach 14 Minuten Musikhören berichteten die Teilnehmer von folgenden Effekten:
- 32,07% fühlten sich sehr glücklich
- 64,97% fühlten sich etwas glücklicher
- 89,14% fühlten sich energiegeladen
- 64,97% lachten mehr
- 84,67% hatten das Gefühl, positiv auf andere zu wirken
- 82,35% fühlten sich belastbarer
- 82,35% hatten das Gefühl, mehr Kontrolle über ihr Leben zu haben
- 80,06% empfanden eine leichtere Entscheidungsfindung
Entspannung
90,15% der Teilnehmer nutzen Musik, um sich zu entspannen. Bereits nach 16 Minuten waren folgende positive Effekte spürbar:
- 79,20% erlebten Muskelentspannung
- 84,31% berichteten, dass negative Gedanken verschwanden
- 91,69% fühlten sich friedvoll und zufrieden
- 82,30% gaben an, besser einschlafen zu können
Wutbewältigung
Nur 28,15% der Befragten waren sich bewusst, dass Musik ihnen hilft, ihre Emotionen besser zu verarbeiten. Dennoch ergab die Studie, dass Musik nach 17 Minuten signifikante Effekte auf die Wutbewältigung hat:
- 80,42% berichteten, dass ihre Wut verschwand
- 86,91% empfanden den Grund ihrer Wut als weniger bedeutend
- 87,58% gaben an, dass ihre allgemeine Reizbarkeit abnahm
- 92,49% fühlten sich besser gewappnet für Herausforderungen des Lebens
Fazit
Musik hat eine tiefgreifende Wirkung auf unsere Psyche und unser Wohlbefinden. Sie hilft uns, Emotionen zu verarbeiten, Stress abzubauen und unser allgemeines Wohlbefinden zu steigern. Die Studie zeigt, dass bereits kurze Zeitspannen von gezieltem Musikhören erhebliche positive Effekte haben können. Wer sich also regelmäßig bewusst Zeit nimmt, um Musik zu genießen, kann damit aktiv seine Gesundheit fördern.

Matt McKenzie
Sternenwanderer, Wortschmied – Matt McKenzie erkundet die Grenzen des Vorstellbaren und schreibt darüber, als wäre er mittendrin. Fantasie trifft Technik in der Sternen Schmiede.
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