Manchmal begegnet dir ein Buch, das sich nicht wie eine Geschichte anfühlt, sondern wie ein Ort. Ein Zuhause zwischen den Sternen, in das du immer wieder zurückkehren willst.
Leviathan erwacht, der erste Band der The Expanse-Reihe von James S. A. Corey, ist genau so ein Werk.
In einer nicht allzu fernen Zukunft hat die Menschheit das Sonnensystem kolonisiert. Die Erde bleibt die überbevölkerte Mutter aller Zivilisationen, der Mars ist eine militärisch geprägte, technologische Macht, und der äußere Gürtel – der „Belt“ – ist eine raue Welt der Arbeit, des Mangels und der Hoffnung. Es ist eine Welt, die lebt. Die atmet. Die streitet. Und in dieser angespannten Balance zwischen Machtblöcken brodelt es – politisch, sozial und ganz tief im Inneren der menschlichen Seele.
Und dann verschwindet ein Schiff.
Es ist der Beginn einer Geschichte, die dich in ihren Bann zieht – mit all der Macht, die nur gute Science-Fiction entfalten kann.

Zwei Männer. Zwei Wege. Eine Wahrheit.
Auf der einen Seite steht James Holden, XO eines Eisfrachters und ein Idealist mit Rückgrat. Er glaubt an das Richtige – oft bis zur Selbstaufgabe – und setzt durch eine einzige Nachricht eine Lawine los, die das gesamte Sonnensystem erschüttert.
Auf der anderen Seite: Detective Josephus Miller – ein Mann, dessen bester Tag schon lange vorbei ist. Er lebt in den Schatten von Ceres, einem Asteroiden mit ständiger Dämmerung, wo Hoffnung wie recyclebares Wasser nur in Rationen ausgegeben wird. Miller bekommt den Auftrag, eine vermisste Frau zu finden: Julie Mao, reich, rebellisch – und verschwunden.
Zwei Männer, zwei Wege – doch was sie finden, ist größer als sie selbst. Es ist ein außerirdisches Protomolekül, etwas Fremdes, etwas Uraltes. Es verändert Leben. Es verändert alles.

Zwischen den Sternen schlägt ein Herz aus Stahl
Doch so großartig und spannend diese Story auch ist – für mich hat Leviathan erwacht noch einen anderen, viel persönlicheren Mittelpunkt: die Rocinante.
Sie ist schnell.
Sie ist zuverlässig.
Und sie ist wunderschön.
Wie eine Frau, mit der du durchbrennen willst.
Eine, die mit dir durch die Hölle geht – und dir unterwegs noch das Leben rettet.
Die Roci ist kein kaltes Stück Technik. Sie lebt mit ihrer Crew, leidet mit ihnen, kämpft mit ihnen. Sie ist der stille Star dieser Reihe – ein Zuhause auf vier Triebwerken, ein sicherer Ort in einem unsicheren Universum.
Jedes Mal, wenn sie durch das Schwarze gleitet, klopft mein Herz ein bisschen schneller. Und ich glaube, wer The Expanse liebt, liebt auch die Rocinante. Weil sie uns zeigt, dass es Orte gibt, die mehr sind als nur Metall und Kabel.

Warum dieses Buch lesen?
Leviathan erwacht ist mehr als nur ein Roman. Es ist der Beginn eines gewaltigen Epos über Macht, Verantwortung, Menschlichkeit und das Unbekannte. Es ist politisch, philosophisch, actionreich – und dabei nie abgehoben. Die Charaktere wirken echt. Die Welt fühlt sich greifbar an. Und die Spannung zieht sich durch wie ein roter Faden, der nicht reißt.
Wer sich in den Welten von Battlestar Galactica, Mass Effect oder Blade Runner zuhause fühlt, wird sich hier sofort verlieben. Und wer einfach nur eine verdammt gute Geschichte lesen will – der auch.
Und was kommt danach?
Für mich war Leviathan erwacht der Anfang einer Reise, von der ich nicht weiß, wie sie enden wird – aber ich weiß, dass ich sie nicht verpassen will. Ich lese gerade den zweiten Band, Calibans Krieg, und kann schon jetzt sagen: Es wird noch besser.
In meiner Artikelreihe auf der Sternen Schmiede werde ich euch mitnehmen – Buch für Buch, Raumstation für Raumstation, Gefecht für Gefecht. Ich will mit euch über Figuren sprechen, über Technik, über die Menschlichkeit im Vakuum – und natürlich über die Roci.
Denn sie ist mehr als ein Raumschiff.
Sie ist meine Heldin.

Matt McKenzie
Sternenwanderer, Wortschmied – Matt McKenzie erkundet die Grenzen des Vorstellbaren und schreibt darüber, als wäre er mittendrin. Fantasie trifft Technik in der Sternen Schmiede.
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