Es gibt Serien, die kommen und gehen – und dann gibt es Earth 2. Eine Produktion, die ihrer Zeit so weit voraus war, dass selbst heutige Sci-Fi-Serien manchmal wie Wiederholungen wirken. Als ich sie vor Kurzem wiederentdeckte, traf mich ein bittersüßer Schlag der Erinnerung: Diese Serie war ein stiller Leuchtturm meiner Jugend, ein Flackern in der Fernsehlandschaft der 90er, das nie ganz verlosch.

Ich hatte sie damals nur sporadisch im TV gesehen. Mal eine Folge hier, mal eine halbe dort – zu spät eingeschaltet, zu früh wieder weggezappt. Und doch: Die Bilder haben sich eingebrannt. Die weiten, fremdartigen Landschaften. Die mystischen Terrianer mit ihren erdverbundenen Gesängen. Das Gefühl, dass diese Expedition nicht nur einen neuen Planeten, sondern auch die menschliche Seele erforscht. Lange war Earth 2 in Vergessenheit geraten – bis sie mich kürzlich, wie ein über Jahre gereifter Traum, wiederfand.
„Dieser Planet lebt. Er besteht nicht nur aus Steinen und Erde. Er beobachtet uns. Er hört zu.“
– Devon Adair
📺 Eine Serie ihrer Zeit – und doch Jahrzehnte voraus
Earth 2 wurde 1994 auf NBC ausgestrahlt – in einer Zeit, in der Fernsehen größtenteils noch auf klassische Familienserien, Actionshows oder Sitcoms setzte. Doch diese Serie wagte etwas völlig Neues: eine zutiefst emotionale und gleichzeitig hochphilosophische Reise auf einen fremden Planeten, weit weg von der Erde, aber ganz nah am Menschen.
Die Geschichte einer kleinen Kolonie von Siedlern auf dem Planeten G889 war nicht einfach nur Science-Fiction – sie war ein Spiegel menschlicher Ängste, Hoffnungen und Beziehungen. Die Autoren kombinierten ökologische Botschaften, spirituelle Untertöne, technologische Fragestellungen und das große Thema: Was bedeutet es, ein Zuhause zu finden?
„Wir sind nicht hierhergekommen, um diese Welt zu erobern. Wir sind gekommen, um wieder zu lernen, wie man lebt.“
– John Danziger
Damals verstand ich das alles nur intuitiv. Heute erkenne ich, wie mutig und tiefgründig diese Serie war.
🎬 Hinter den Kulissen: Eine riskante Produktion mit Vision
Produziert wurde die Serie von Michael Duggan, Carol Flint, Mark Levin und Billy Ray – Menschen, die sich trauten, gegen den Strom zu schwimmen. Gedreht wurde in New Mexico, wo die weite Wüstenlandschaft als fremde Welt G889 diente. Ohne aufwändige CGI, sondern mit echtem Sand, echtem Wind, echtem Himmel. Das gab der Serie eine greifbare Ehrlichkeit.

Der Cast war ebenfalls bemerkenswert: Debrah Farentino (Devon Adair) führte als starke weibliche Hauptfigur durch die Serie – lange bevor das im Mainstream angekommen war. Clancy Brown, später bekannt als Mr. Krabs oder als brutaler Wächter in The Shawshank Redemption, spielte John Danziger mit rauem Charme und großem Herzen. Und der junge Joey Zimmerman als Uly war nicht nur eine Figur mit einer besonderen Verbindung zum Planeten, sondern auch ein emotionaler Anker.
„Er verändert sich, Devon. Der Planet… er heilt ihn.“
– Dr. Julia Heller über Uly
Backstage war der Umgang mit der Serie nicht immer einfach. NBC wusste nicht so recht, wohin damit. Die Quoten waren durchwachsen, und obwohl eine zweite Staffel bereits geplant war, wurde die Serie frühzeitig abgesetzt. Viele der Storylines – etwa Ulys Transformation oder die wachsende Beziehung zwischen den Menschen und den Terrianern – blieben unvollendet. Und doch... bleibt sie lebendig.
🧠 Themen, die bis heute nachhallen
Earth 2 behandelte Themen, die wir heute dringender denn je diskutieren:
- Ökologie & Verantwortung: Die Kolonisten sind Eindringlinge auf einem lebendigen Planeten. Der Konflikt mit den Terrianern steht sinnbildlich für unseren Umgang mit der Natur.
- Spiritualität & Technologie: Die Serie stellt der kalten Rationalität der Raumstationen eine intuitive, fast schamanische Verbindung zur Welt gegenüber.
- Gesellschaftskritik: Auf den Raumstationen regiert eine technokratische Elite. Auf G889 entstehen neue soziale Strukturen – und alte Fehler wiederholen sich.
„Vielleicht wird die Zukunft nicht von Maschinen gebaut. Vielleicht wird sie von Träumen geformt.“
– Alonzo Solace
Diese Fragen beschäftigen mich bis heute. Vielleicht haben sie in mir das gelegt, was man später „Sci-Fi-Leidenschaft“ nennt. Vielleicht war es dieser Blick auf fremde Welten mit einer menschlichen Tiefe, die mich so geprägt hat.
💫 Ein persönlicher Nachhall
Es ist schwer zu beschreiben, wie sehr mich Earth 2 damals berührt hat. Vielleicht war es die einsame Schönheit der Bilder. Vielleicht die Hoffnung, dass irgendwo da draußen ein besserer Ort auf uns wartet. Vielleicht einfach die Art, wie die Serie Träume in Bilder verwandelte.
„Die Terrianer sprechen nicht wie wir. Aber sie verstehen mehr, als wir je begreifen werden.“
– Ulysses „Uly“ Adair
Heute, Jahre später, liebe ich Science-Fiction aus tiefstem Herzen. Und ich weiß jetzt: Ein Teil dieser Liebe stammt von G889. Von Devon, Danziger, Julia und Uly. Von einer Serie, die nie laut war, aber unvergesslich.
Wenn du Earth 2 noch nie gesehen hast: Gib ihr eine Chance. Und wenn du sie – wie ich – längst vergessen hattest: Willkommen zurück.


Matt McKenzie
Sternenwanderer, Wortschmied – Matt McKenzie erkundet die Grenzen des Vorstellbaren und schreibt darüber, als wäre er mittendrin. Fantasie trifft Technik in der Sternen Schmiede.
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