Die Menschheit ist unsterblich geworden – und mit ihr droht die Überbevölkerung. Um dem entgegenzuwirken, wurde ein eigenständiger Orden gegründet: die Scythe. Sie sind es, die den Tod in dieser neuen Welt erhalten. Nicht durch Krieg oder Krankheit, sondern durch gezielte, „nachhaltige“ Auswahl von Menschen, die sie aus dem Leben nehmen – für das höhere Wohl.
„Ich töte, aber ich bin kein Mörder.“ – Scythe Faraday
Diese Aussage begleitet einen wie ein Echo durch alle drei Bände. Sie konfrontiert uns mit der Frage: Wo endet Notwendigkeit, und wo beginnt Grausamkeit?
Die Protagonisten Citra und Rowan werden genau in dieses System hineingezogen. Zwei Jugendliche, die eigentlich nichts miteinander verbindet, außer der Tatsache, dass sie gegen ihren Willen zu Scythe-Lehrlingen werden – und auf sehr unterschiedliche Weise mit der Bürde dieser Aufgabe umgehen.

Zwischen Pflicht, Macht und Menschlichkeit
Je tiefer man in die Geschichte eintaucht, desto mehr stellt sich eine unangenehme Frage: Wenn der Mensch keinen natürlichen Tod mehr kennt – verliert er dann nicht auch seine Demut vor dem Leben?
„Die Menschen hatten vergessen, wie man stirbt – und mit dem Tod vergaßen sie das Leben.“
Ein stiller, aber kraftvoller Gedanke, der sich durch die gesamte Trilogie zieht.
Die Scythe sollen unabhängig von der KI handeln. Sie sind die letzten, die wirklich frei entscheiden – und genau darin liegt das Risiko. Denn wo Menschen Macht haben, ist Missbrauch nicht weit. Besonders im zweiten Band, Der Zorn der Gerechten, wird deutlich, wie sehr sich der Orden spaltet. Während einige Scythe mit Würde und Mitgefühl handeln, genießen andere ihre Position – und töten aus Freude oder politischem Kalkül.
Gleichzeitig beginnt auch der Thunderhead zu hadern: Er darf nicht eingreifen – doch was passiert, wenn das System, das er beschützen soll, sich selbst vergiftet?

Der dritte Band: Ein Vermächtnis
Mit Das Vermächtnis der Ältesten erreicht die Geschichte ihren dramatischen Höhepunkt. Es ist ein Buch voller Wendungen, tiefer Gedanken und emotionaler Einschläge. Shusterman zieht hier alle Register – und lässt uns als Leser:innen zurück mit der Frage: Was bedeutet Menschlichkeit, wenn der Tod selbst zum Ritual geworden ist?
Warum du diese Reihe lesen solltest
Die Scythe-Trilogie ist keine Action-Dystopie, sondern eine tiefgründige, philosophische Reise. Sie bietet nicht nur spannende Charaktere und starke Bilder, sondern regt zum Nachdenken an – über Ethik, über Freiheit, über Technologie.
„Der Tod war einst ein Schrecken. Nun ist er eine Pflicht.“
Dieser Satz steht wie ein kalter Schatten über einer Welt, die sich selbst verloren hat, während sie glaubte, alles gewonnen zu haben.
Besonders die Figur des Thunderhead hat mich nachhaltig beeindruckt. Eine KI, die nicht nur rational ist, sondern uns in vielen Punkten überlegen wirkt – nicht weil sie mächtiger ist, sondern weil sie klüger, gelassener und reifer agiert als wir Menschen es je könnten.
Aber genau darin liegt auch das Spannende: Was bleibt vom Menschsein, wenn Maschinen unsere Fehler korrigieren, unsere Körper reparieren und sogar unseren Tod verwalten?

Fazit
Neal Shusterman hat mit Scythe eine der faszinierendsten Zukunftsvisionen der letzten Jahre geschaffen. Die Bücher lesen sich flüssig, sind spannend und mit überraschend viel Herz geschrieben. Und sie stellen genau die richtigen Fragen zur richtigen Zeit.
Gerade jetzt, wo Künstliche Intelligenz mehr ist als nur Science-Fiction, lohnt sich der Blick in diese Zukunft. Denn vielleicht ist sie gar nicht so weit entfernt, wie wir glauben.
Wenn dich die Vorstellung einer perfekten Welt mit dunklem Unterton genauso fasziniert wie mich, dann stöbere weiter durch die Sternen Schmiede. Hier findest du regelmäßig neue Geschichten, Ideen und Empfehlungen rund um Bücher, Spiele, Serien und alles, was zum Nachdenken – und Träumen – einlädt.

Matt McKenzie
Sternenwanderer, Wortschmied – Matt McKenzie erkundet die Grenzen des Vorstellbaren und schreibt darüber, als wäre er mittendrin. Fantasie trifft Technik in der Sternen Schmiede.
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